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<title>Sexualzyklus</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Sexualzyklus</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Als <b>Sexualzyklus</b>, auch <b>Brunstzyklus</b>, werden die periodisch wiederkehrenden Veränderungen an den weiblichen <a href="Geschlechtsorgan" title="Geschlechtsorgan">Geschlechtsorganen</a> bei <a href="S%C3%A4ugetiere" title="Säugetiere">Säugetieren</a> bezeichnet. Er setzt mit der <a href="Geschlechtsreife" title="Geschlechtsreife">Geschlechtsreife</a> ein und setzt sich bis zum Tod fort. Unterbrochen wird er entweder durch <a href="Keimruhe" title="Keimruhe">Keimruhe</a>, <a href="Tr%C3%A4chtigkeit" title="Trächtigkeit">Trächtigkeiten</a> oder Erkrankungen.
</p><p>Eine Ausnahme bildet der <a href="Menstruationszyklus" title="Menstruationszyklus">Menstruationszyklus</a> der Frau beim <a href="Mensch" title="Mensch">Menschen</a>, der mit der <a href="Menopause" title="Menopause">Menopause</a> beendet wird. Das Ende des fruchtbaren Lebensabschnitts gilt als Faktor für Langlebigkeit und konnte auch bei weiblichen <a href="Schimpanse" class="mw-redirect" title="Schimpanse">Schimpansen</a>, und <a href="Zahnwale" title="Zahnwale">Zahnwalweibchen</a> nachgewiesen werden.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zyklusphasen">Zyklusphasen</h2></div>
<p>Man unterscheidet vier Zyklusphasen: Proöstrus, Östrus, Metöstrus und Diöstrus. In der neueren Literatur schreibt man durch den anglo-amerikanischen Einfluss statt des „ö“ ein „e“, also Proestrus, Estrus usw.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Proöstrus"><span id="Pro.C3.B6strus"></span>Proöstrus</h3></div>

<p>Der <b>Proöstrus</b>, auch als „Vorbrunst“ bezeichnet, dauert meist nur 2 Tage. Hier wachsen, in Abhängigkeit von der artspezifischen Anzahl der Jungen, ein oder mehrere <a href="Ovarialfollikel" title="Ovarialfollikel">Follikel</a> der <a href="Eizelle" title="Eizelle">Eizellen</a> im <a href="Eierstock" title="Eierstock">Eierstock</a> heran. Die Schleimhaut der <a href="Geb%C3%A4rmutter" title="Gebärmutter">Gebärmutter</a> verdickt sich, die <a href="Dr%C3%BCse" title="Drüse">Drüsen</a> wachsen. Auffällig beim Hund kommt es zu einer Auswanderung von <a href="Erythrozyt" title="Erythrozyt">Erythrozyten</a> (<a href="Erythrodiapedese" title="Erythrodiapedese">Erythrodiapedese</a>) und ein <a href="Blut" title="Blut">blutiger</a> <a href="Scheidenausfluss" title="Scheidenausfluss">Scheidenausfluss</a> setzt ein.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Östrus"><span id=".C3.96strus"></span>Östrus</h3></div>
<p>Der <b>Östrus</b> (von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Altgriechische_Sprache" title="Altgriechische Sprache">altgriechisch</a></span> <span lang="grc-Grek" class="Grek" style="font-style:normal">οἶστρος</span> <span lang="de" style="font-style:normal;font-weight:normal">‚Stachel, Wutanfall‘</span>) – deutsch auch „Brunst“ oder „<a href="Brunft" title="Brunft">Brunft</a>“ – ist der Abschnitt, in dem das weibliche Tier begattungsbereit ist, er dauert je nach Art oft wenige Tage bis hin zu 20 Tagen beim <a href="Bonobo" title="Bonobo">Bonobo</a>. Im <a href="Eierstock" title="Eierstock">Eierstock</a> entstehen die sprungreifen <a href="Ovarialfollikel" title="Ovarialfollikel">Follikel</a> (<i>Graafsche Follikel</i>) und gegen Ende der Brunst erfolgt der <a href="Follikelsprung" title="Follikelsprung">Follikelsprung</a> (Eisprung/Ovulation). Bei manchen Arten wird der Eisprung durch den Deckakt ausgelöst (<i>provozierte/induzierte Ovulation</i>), z.&nbsp;B. bei Kaninchen und Katze. In der <a href="Geb%C3%A4rmutter" title="Gebärmutter">Gebärmutter</a> setzt sich das Wachstum der <a href="Schleimhaut" title="Schleimhaut">Schleimhaut</a> fort, am <a href="Cervix_uteri#Äußerer_Muttermund" class="mw-redirect" title="Cervix uteri">äußeren Muttermund</a> wird im Gebärmutterhals (<i><a href="Cervix_uteri" class="mw-redirect" title="Cervix uteri">Cervix uteri</a></i>) gebildeter <a href="Schleim" title="Schleim">Schleim</a> sichtbar. Kurz vor und während des Eisprungs bzw. der Eisprünge erhöht sich der <a href="%C3%96strogen" class="mw-redirect" title="Östrogen">Östrogenspiegel</a> deutlich, dadurch wird auch die <a href="Vulva" title="Vulva">Vulva</a> stark durchblutet (<i>hyperämisch</i>) und erscheint verdickt und gerötet. Außerdem werden vom Weibchen <a href="Pheromon" title="Pheromon">Pheromone</a> abgegeben, die beim Männchen den <a href="Begattung" title="Begattung">Paarungsinstinkt</a> auslösen.
</p><p>Man unterscheidet einen spontanen Östrus (wie z.&nbsp;B. bei der Kuh), bei dem sich die Begattungsbereitschaft unabhängig von äußeren Gegebenheiten einstellt, und einen induzierten Östrus (wie z.&nbsp;B. bei der <a href="Pr%C3%A4riew%C3%BChlmaus" title="Präriewühlmaus">Präriewühlmaus</a>), bei dem der Östrus erst durch ein anwesendes Männchen eingeleitet wird.
</p><p>In der Milchviehhaltung werden unter anderem <a href="Pedometer" title="Pedometer">Pedometer</a> eingesetzt, um die in der Brunst (zum Follikelsprung) erhöhte Aktivität der Tiere zu messen und mittels eines <a href="Herdenmanagementprogramm" title="Herdenmanagementprogramm">Herdenmanagementprogramms</a> auszuwerten. Dadurch kann der Zeitpunkt für eine Besamung des Tieres genauer gesteuert werden. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten die Brunst zu erkennen, zum Beispiel durch Messungen der <a href="Basaltemperatur" title="Basaltemperatur">Basaltemperatur</a> <i>Heat detectors</i> oder des elektrischen Widerstandes der Scheidenschleimhaut.
</p><p>Für die Brunst haben sich für viele Haustiere spezielle Namen eingebürgert: „<a href="L%C3%A4ufigkeit" title="Läufigkeit">Läufigkeit</a>“ oder „Hitze“ (Hündin), „<a href="Rolligkeit" title="Rolligkeit">Rolligkeit</a>“ oder „Raunze“ (Katze), „Rossigkeit“ oder „<a href="Rosse_(Paarungsverhalten)" title="Rosse (Paarungsverhalten)">Rosse</a>“ (Stute), „Rindern“, in Bayern und Österreich „Stieren“ (Kuh), „Rausche“ (Sau). Tritt nach erfolgloser Bedeckung erneut eine Brunst auf, spricht man von „Umrossen“ (Stute), „Umrindern“ oder „Umbullen“ (Kuh), „Umbocken“ (Schaf) und „Umrauschen“ (Sau).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Metöstrus"><span id="Met.C3.B6strus"></span>Metöstrus</h3></div>
<p>Der <b>Metöstrus</b> („Nachbrunst“) ist die Zeit bis zum Abklingen aller Brunstsymptome und dauert ebenfalls nur wenige Tage. Am <a href="Eierstock" title="Eierstock">Eierstock</a> beginnt sich aus dem Follikelrest der <a href="Gelbk%C3%B6rper" title="Gelbkörper">Gelbkörper</a> (Corpus luteum) zu bilden. In der <a href="Geb%C3%A4rmutter" title="Gebärmutter">Gebärmutter</a> sind die <a href="Dr%C3%BCse" title="Drüse">Drüsen</a> voll ausgebildet und beginnen unter dem Einfluss von Progesteron mit einer starken <a href="Sekretion" title="Sekretion">Sekretion</a> (Sekretionsphase).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Diöstrus"><span id="Di.C3.B6strus"></span>Diöstrus</h3></div>
<p>Der <b>Diöstrus</b> („Zwischenbrunst“) ist davon abhängig, ob eine <a href="Befruchtung" title="Befruchtung">Befruchtung</a> und damit eine <a href="Tr%C3%A4chtigkeit" title="Trächtigkeit">Trächtigkeit</a> erfolgt ist. Die Zeitdauer ist je nach Tierart und Zykluslänge sehr verschieden und schwankt zwischen 10 (<a href="Pferde" title="Pferde">Pferd</a>) und 75 Tagen (<a href="Haushund" title="Haushund">Hund</a>). Zunächst bildet sich am <a href="Eierstock" title="Eierstock">Eierstock</a> der <a href="Gelbk%C3%B6rper" title="Gelbkörper">Gelbkörper</a> zur vollen Blüte. Ohne Befruchtung bildet sich der Gelbkörper unter dem Einfluss von <a href="Prostaglandin_F2%CE%B1" title="Prostaglandin F2α">Prostaglandin F2α</a> dann nach 15 bis 20 Tagen wieder zurück. In der <a href="Geb%C3%A4rmutter" title="Gebärmutter">Gebärmutter</a> setzt sich zunächst die intensive Sekretion fort, ohne Trächtigkeit bilden sich dann nach einigen Tagen <a href="Dr%C3%BCse" title="Drüse">Drüsen</a> und <a href="Endometrium" title="Endometrium">Schleimhaut</a> wieder zurück.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Anöstrus"><span id="An.C3.B6strus"></span>Anöstrus</h3></div>
<p>Pausen zwischen den Zyklen nennt man Anöstrus.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zyklusdauer">Zyklusdauer</h2></div>
<p>Die Dauer des Zyklus beträgt bei den meisten Haustieren etwa drei Wochen. Beim <a href="Haushund" title="Haushund">Hund</a> dauert er durchschnittlich 31 Wochen (16–56 Wochen), bei der <a href="Hauskatze" title="Hauskatze">Katze</a> gibt es ebenfalls eine große Variation (2–7 Wochen). Bei <a href="Nagetiere" title="Nagetiere">Nagetieren</a> dauert der Zyklus meist nur eine Woche.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Jahresrhythmus">Jahresrhythmus</h2></div>
<p>Die Abfolge der Sexualzyklen verhält sich bei den einzelnen Tierarten sehr verschieden. Nach der Häufigkeit unterscheidet man
</p>
<ul><li><i>polyöstrische</i> Tiere (mehrere Zyklen pro Jahr, z.&nbsp;B. <a href="Hausrind" title="Hausrind">Hausrind</a>, <a href="Hausschwein" title="Hausschwein">Hausschwein</a>, <a href="Kaninchen" title="Kaninchen">Kaninchen</a>, <a href="Ratten" title="Ratten">Ratten</a>)</li>
<li><i>diöstrische</i> Tiere (zwei Zyklen pro Jahr, z.&nbsp;B. <a href="Haushund" title="Haushund">Hund</a>)</li>
<li><i>monoöstrische</i> Tiere (ein Zyklus pro Jahr, z.&nbsp;B. <a href="Wildschwein" title="Wildschwein">Wildschwein</a>, <a href="Reh" title="Reh">Reh</a>, <a href="Hirsche" title="Hirsche">Hirsch</a>)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Beeinflussung_des_Sexualzyklus_bei_Nutztieren">Beeinflussung des Sexualzyklus bei Nutztieren</h2></div>
<p>In der Tierproduktion, insbesondere in der <a href="Massentierhaltung" title="Massentierhaltung">industriemäßigen</a> <a href="Schweineproduktion" title="Schweineproduktion">Schweineproduktion</a>, wird mittels <a href="Brunstsynchronisation" title="Brunstsynchronisation">Brunstsynchronisation</a> versucht, alle Tiere der Herde bzw. Gruppe in den gleichen Abschnitt des Sexualzyklus zu bringen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Kressin, M. und B. Schnorr: <i>Embryologie der Haustiere.</i> 5. Auflage. Enke-Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-8304-1061-1.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.spektrum.de/news/fortpflanzungsbiologie-laenger-leben-dank-menopause/2210976"><i>Fortpflanzungsbiologie: Länger leben dank Menopause</i></a> <a href="Spektrum_der_Wissenschaft" title="Spektrum der Wissenschaft">Spektrum der Wissenschaft</a>, abgerufen am 28. August 2024</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4181120-3">4181120-3</a></span> </div>
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